Fiat [ˈfiːat] ist lateinisch und bedeutet „Es werde“. Geld in einem Fiat-System ist durch nichts physisches wie Gold oder Silber gedeckt, sondern basiert ausschließlich auf staatlicher Regulierung und dem Vertrauen in die herausgebende Institution. Es ist der weltweit vorherrschende Standard, und alle modernen Währungen – ob US-Dollar, Euro oder Yen – sind Fiat-Währungen. Sie sind reines „Papiergeld“. Es handelt sich um ein Konstrukt, das auf Schulden basiert.
BILD VON SCHULDEN DER EU Staaten über die Zeit
https://www.agenda-austria.at/grafiken/wenn-schulden-konjunktur-haben/
https://www.agenda-austria.at/grafiken/verschuldung-im-zeitverlauf-2/
Ein entscheidendes Merkmal des Fiat-Systems ist, dass Geld durch Kreditvergabe aus dem Nichts erschaffen wird. Banken benötigen nicht bereits vorhandenes Kapital, um Kredite zu vergeben – sie erzeugen es buchstäblich durch einen Buchungssatz. Sobald ein Kreditnehmer einen Kredit aufnimmt, entsteht neues Geld. Doch dieses Geld ist nicht dauerhaft: Sobald der Kredit zurückgezahlt wird, verschwindet das Geld wieder aus dem System.
Es gibt jedoch noch andere Mechanismen, die Geld in Umlauf bringen können, beispielsweise wenn Zentralbanken Staatsanleihen kaufen oder direkte monetäre Stimuli bereitstellen. Doch das Schuldgeldprinzip bleibt immer der Kern: Geld entsteht fast immer durch eine Gegenverpflichtung, die bedient werden muss.
Wenn Zentralbanken die Geldmenge ausweiten und Kredite billig machen, entsteht eine künstliche Wachstumsphase. Investitionen und Konsum steigen, weil Kredit günstig ist. Doch irgendwann kippt das System: Blasen platzen, Schuldenberge werden untragbar, Banken ziehen sich zurück – und eine Rezession setzt ein.
Diese Schwankungen sind nicht zufällig, sondern strukturell im Fiat-System verankert. Wirtschaftswachstum wird durch ständige Kreditausweitung aufrechterhalten, anstatt auf realer Produktivität zu beruhen. Das bedeutet, dass jede Expansion zwangsläufig mit einer Krise enden muss.
Durch Schulden verlagert man gegenwärtige Ansprüche auf die ungewisse Produktivität der Zukunft.
Der Leitzins – Der künstliche Preis des Geldes
Ein zentrales Steuerungsinstrument ist der Leitzins, den Zentralbanken festlegen. Er bestimmt, wie teuer oder günstig Kredite sind – und damit den Preis des Geldes selbst. Doch hier liegt ein grundlegendes Problem: Eine zentrale Instanz bestimmt den Wert einer Ressource, die für alle wirtschaftlichen Aktivitäten essenziell ist.
In einer freien Marktwirtschaft entsteht der Preis eines Gutes durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Doch beim Geld wird dieser Mechanismus ausgeschaltet. Ein künstlich niedriger Leitzins führt dazu, dass sich Unternehmen und Staaten billig verschulden können, was Spekulation und Blasenbildung antreibt. Ein hoher Leitzins hingegen verteuert Kredite und kann eine Rezession auslösen. In beiden Fällen ist das gesamte Wirtschaftssystem von den Entscheidungen weniger Personen abhängig.
https://realinvestmentadvice.com/resources/blog/from-ltcm-to-1966-the-perils-of-rising-interest-rates/
Umverteilung von Arm zu Reich
Das Fiat-System sorgt für eine subtile, aber massive Umverteilung des Wohlstands – von unten nach oben. Warum?
Cantillon-Effekt: Neues Geld gelangt zuerst in die Hände von Banken, großen Unternehmen und Regierungen. Diese können es noch zu "alten" Preisen nutzen, während die Inflation erst später den Rest der Bevölkerung erreicht. Dieser Effekt wurde bereits von XY festgestellt. (Die Frage, ob eine Geldmengenerweiterung direkt zu einem Kaufkraftverlust führt ist mit einem klaren JEIN zu beantworte und daher separat zu betrachten. Jedoch ist unbestritten dass eine umfangreiche Geldmengenausweitung auswirkungen auf die Kaufkraft hat).
Wenn eine Zentralbank Anleihen aufkauft oder Liquidität in den Markt pumpt, erhalten Großbanken und Investoren als erste Zugriff auf das frische Geld. Sie können es nutzen, um Aktien, Immobilien oder Rohstoffe zu kaufen, bevor sich die Inflation durch steigende Preise bemerkbar macht. Der Durchschnittsbürger hingegen spürt die Teuerung erst, wenn seine Lebenshaltungskosten steigen – ohne vorherige Kaufkraftvorteile gehabt zu haben.
Im Fiat-System ist dieser schwieriger zu erkennen als in folgendem Beispiel: Gold-Minenbetreiber
Inflation entwertet Geldvermögen über die Zeit. Wer keine Sachwerte besitzt, verliert schleichend an Kaufkraft. Das bedeutet, dass diejenigen, die ihr Geld einfach auf dem Konto lassen, über Jahre hinweg real ärmer werden, während Sachwertbesitzer profitieren. <Anders ausgedrückt: Reiche werden reicher und Arme ärmer>
Kreditschuldner profitieren, Lohnabhängige verlieren: Unternehmen und Investoren können sich dank niedriger Zinsen verschulden und profitieren von steigenden Preisen für Vermögenswerte wie Immobilien und Aktien ("Asset Price InflatioN") – während Arbeitnehmer kaum von Lohnerhöhungen profitieren, die erst im Nachhinein ausgeglichen werden und oftmals hinter der Inflation zurückbleiben.
Es entsteht sogar ein Anreiz, sich zu verschulden: Wenn Geld an Wert verliert, ist es rational, heute Schulden aufzunehmen und diese später mit „entwertetem“ Geld zurückzuzahlen. Besonders Staaten profitieren von diesem Effekt, da sie hohe Schuldenberge mit inflationsgeschwächtem Geld bedienen können.
https://rwer.wordpress.com/2018/03/06/if-poor-people-knew-how-rich-rich-people-are-there-would-be-riots-in-the-streets/
Indirekte Auswirkungen: Kurzfristiges Denken und Konsumzwang
Das Fiat-System beeinflusst nicht nur wirtschaftliche Strukturen, sondern auch die gesellschaftliche Denkweise.
Langfristiges Sparen lohnt sich kaum, da Inflation den Wert des Ersparten mindert. Das führt dazu, dass Menschen lieber sofort konsumieren oder spekulieren, anstatt Kapital über Generationen aufzubauen - man spricht von einer hohen Zeitpräferenz. In einer Welt mit stabilerem Geld wäre Sparen eine sinnvolle Strategie – doch im Fiat-System wird es systematisch bestraft.
Politische Kurzsichtigkeit: Die Geldpolitik ermöglicht es Regierungen, kurzfristige Wirtschaftsprogramme zu starten, um Rezessionen zu vermeiden oder das Wachstum kurzfristig anzukurbeln – oft ohne Rücksicht auf langfristige Konsequenzen. Politiker denken nur bis zur nächsten Wahl, denn sie können sich darauf verlassen, dass die Zentralbank im Notfall eingreift. <Es ist sogar so, dass langfristiges Denken bestraft wird, da Politiker die späteren Erfolge nicht mehr in ihrer beruflichen Laufbahn erleben.>
Wegwerfgesellschaft: Da Geld an sich entwertet wird, verlieren Menschen das Bewusstsein für nachhaltige Werte. Produkte werden nicht mehr für die Ewigkeit gebaut, sondern für den kurzfristigen Konsum – geplante Obsoleszenz ist die Norm. Hersteller setzen darauf, dass Kunden in regelmäßigen Abständen neue Produkte kaufen müssen. Die Qualität bestehender Produkt verschlechter sich stetig. Jeder kann dies in Form von Shrinkflation oder "neuer Rezepturen", welche oftmals hochwertige Inhalte durch minderwertige substil Substituieren sehen. Es herrscht sogar allgemeiner Konsens, dass Konsum die Wirtschaft Antreibt und ist daher Sparen vorzuziehen.
Die Auswirkungen des Fiat Systems sind jedoch viel tiefgreifender und betreffen alle Ebenen der Gesellschaft. Von Lebensmitteln, die auf niedriger Qualität beruhen bis zum unleistbaren Wohn-Eigentum. (siehe Fiat System Deep Dive)
Die vermeintlichen Vorteile sind nur kurzfristig
Befürworter des Fiat-Systems argumentieren, dass es wirtschaftliche Stabilität, Flexibilität und Wachstum ermöglicht. Doch diese Vorteile sind trügerisch und oft nur von kurzer Dauer. Die Möglichkeit, unbegrenzt Geld zu drucken, verhindert zwar kurzfristige Krisen, sorgt aber für langfristige Verwerfungen, da ein ständiges Wachsen nötig ist um das System weiter erhalten zu können. Es herrscht daher innerhalb des Systems auch große Angst vor Deflation - es wird als Gespenst bezeichnet, weil man bei fallenden Preisen davon ausgeht, dass Menschen sparen statt zu konsumieren, was ultimativ zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führt - warum dies jedoch ein Irrglaube ist, werden wir uns im nächsten Kapitel näher anschauen.
Staaten können sich verschulden, ohne die direkten Konsequenzen zu tragen.
Finanzmärkte boomen künstlich durch billiges Geld.
Konsum wird angeheizt, aber auf Kredit finanziert.
Doch irgendwann bricht das System unter seiner eigenen Last zusammen – sei es durch Hyperinflation, massive Schuldenkrisen oder den vollständigen Vertrauensverlust in die Währung.
Die ultimative Macht: Mit einem Knopfdruck können einzelne Personen die Lebensqualität von Millionen von Menschen beeinflussen. Macht korrumpiert - ultimative Macht korrumpiert ultimativ.
All das ist der grund warum viele große Reiche durch Inflation zu grunde gingen: egal ob die Römer, die Spanier oder oder ....
https://mises.org/mises-daily/inflation-and-fall-roman-empire
Römisches Reich (3. Jh. n. Chr.)
Chinas Yuan-Dynastie (13.–14. Jh.)
Spanisches Weltreich (16.–17. Jh.)
Weimarer Republik (1920er Jahre)
Simbabwe (2000er Jahre)
Für den Einzelnen anfangs kaum spürbar, doch dann entfalten sich die Auswirkungen mit unaufhaltsamer Wucht. Zunächst schleichend, dann unaufhaltsam.
Was aber ist Inflation genau? Was ist Deflation? Führt Inflation automatisch zu Geldentwertung?
Kapitel 4: Inflation vs. Deflation – Hartes Geld vs. Weiches Geld
Inflation ist allgegenwärtig – doch ist sie wirklich notwendig oder gar wünschenswert? Was passiert in einer Welt, in der Geld seinen Wert nicht ständig verliert? Im nächsten Kapitel beschäftigen wir uns mit hartem und weichem Geld, den Folgen von Inflation und Deflation – und warum die Wahl des Geldsystems weit mehr bestimmt als nur die Preise im Supermarkt.
CPI ist ein Scam